Redeverben - Ergänzung der Stilanalyse

Dieses Thema im Forum "Beispieldokumente" wurde erstellt von Bernd C., 11. August 2010.

  1. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Der Teil, den Andreas und ich schrieben, nicht.

    Es ist schon genau so, wie er sagt:
    Und genau das sollte das Kriterium sein, um den Leser nicht stocken zu lassen, beim Lesen, und mit einem "Merkwürdigkeits"-Gefühl zurückzulassen.
    "Wie zum Teufel hat er jetzt diesen Satz 'geschnaubt'?", fragt sich der Leser. Und beschäftigt sich mit der schrägen, gekünstelten, aber falschen Konstruktion anstatt mit der Geschichte. Und ist raus.
    Denn genau das zu vermeiden ist die hohe Kunst, damit ein durchgehender Lesefluss da ist, aus dem der Leser nicht herausgerissen wird. Durch Schreibfehler, durch Stilschwächen, die ein "Hoppla!" auslösen und den Rückwärts-Zoom, mit dem der Leser zurück in die reale Welt gezwungen wird.
    Das ist das Schlimmste, was dem Schriftsteller passieren kann. Passiert das mehrmals, wird der Leser das Buch weglegen oder mindestens nicht mit einem "tollen Leseerlebnis" assoziieren und es entsprechend bewerten und empfehlen.

    Da nützt auch alle Kunst nix, wenn es so klare "Klopper" sind, die den Lesefluss hemmen. Sprache ist logisch, wird die Logik verletzt, stutzt der Leser.
     
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  2. Fitzliputzli

    Fitzliputzli Active Member

    Ja, da geht es mir genau anders. Mir ist eigentlich nichts egal, was andere über das Schreiben sagen oder denken. Ich bin ja keine fensterlose Monade.
     
  3. ThAchi

    ThAchi Member

    Ich finde, dass man wörtliche Rede durchaus um Redeverben ergänzen kann, die in der realen Welt nicht funktionieren können.

    "Jetzt reicht es mir aber wirklich!", rief sie polternd.
    "Das", sagte er vergnügt und rülpste, "war die beste Henkersmahlzeit, die ich je hatte."

    Hier empfinde ich folgende Schreibweisen ausdrucksstärker:

    "Jetzt reicht es mir aber wirklich!", polterte sie.
    "Das", rülpste er vergnügt, "war die beste Henkersmahlzeit, die ich je hatte."
     
  4. Fitzliputzli

    Fitzliputzli Active Member

    Nee, darauf hab ich mich auch nicht bezogen mit der Mode. Eher auf den Trend, es schlicht zu halten. Was ihr sagt, ist natürlich völlig richtig: "Nein", lachte er.
    Hinterlässt das Gefühl, dass die Sprache knapp daneben trifft. Das war auch zu Fontanes Zeiten nicht anders. Und es wird auch in Zukunft so sein, unabhängig von sprachlichen Trends.
     
  5. monaL

    monaL Active Member

    Auf jeden Fall gibt es wohl eine Menge Wörter, die nur in der Welt der Schriftsteller und Romane funktionieren. Wie der berühmte "Seitenblick", auf den Terry Pratchett in einer seiner Fußnoten hinwies. :sneaky: Zu den Redeverben: Meine Helden fauchen sich gerne an :whistle:
     
  6. Ben Vart

    Ben Vart Guest

    Was das anlangt, dürften zwei Drittel der auf dem Markt befindlichen Bücher genau dort nicht sein. Und Schreibstile sind ebenso Trends unterworfen wie viele andere Dinge.
    Und wenn AndreasE schreibt: "Lachen ist nun mal keine Tätigkeit, die Worte hervorbringt", dann hat er nur halb recht. Denn es sind Worte, die ein Lachen hervorbringen.
    Um noch mal mit AndreasE zu sprechen: "Rülpsen ist nun mal keine Tätigkeit, die Worte hervorbringt." Ganz bestimmt nicht.
     
  7. ThAchi

    ThAchi Member

    Da muss ich widersprechen. Ich kenne persönlich jemanden, der Worte rülpsen kann. ;)

    Als Schreiberling sehe ich meine Aufgabe darin, Worte so zu formen, dass im Kopf des Lesers ein Bild dazu entstehen kann. Und bei 'rülpste er vergnügt' habe ich das Bild.
     
  8. Ben Vart

    Ben Vart Guest

    Ich kenne jemanden, der sie lachen kann. Insofern, kennt jeder jemanden und die Diskussion ist eigentlich obsolet.
     
  9. Greifenklau

    Greifenklau Active Member

    Bei dieser ganzen Diskussion sollte man das Ziel nicht aus den Augen verlieren: eine gute Geschichte zu erzählen. Einer guten Geschichte kann aber der ganze Pfiff genommen werden, wenn man sie überkorrekt erzählt.
     
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  10. Fitzliputzli

    Fitzliputzli Active Member

    Hm, ich überlege gerade einen Kontext, in dem "Nein", lachte er. eine geschickt gewählte Formulierung wäre. Zwar fällt mir derzeit nichts ein, aber es kann ja noch werden.
    Ich meine, mich auch zu erinnern, auf einer alkoholgetränkten Party einmal Zeuge eines Wettstreits geworden zu sein, bei dem es um das Rülpsen von Worten ging. Aber das ist Jahre her, war lange nach Mitternacht, und meine Erinnerungen daran sind (zum Glück) löchrig.
     
  11. NinaW

    NinaW Well-Known Member

  12. Fitzliputzli

    Fitzliputzli Active Member

    Super Nina!
    Danke für die Links. Fühle mich von den meisten bestätigt, (hüstelte ich bescheiden). ;)
     
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  13. monaL

    monaL Active Member

    „Was ist das Geheimnis der Inquit-Formeln?“, posaunte es aus ihm heraus. (Sebastian Schmidt)

    Das ist göttlich! :ROFLMAO: Danke Nina!
    Ist ja schon gut! Ich bin ja schon dabei, mein aktuelles Manuskript auf die Inquits hin zu überarbeiten :whistle:
     
  14. ThAchi

    ThAchi Member

    Aber bitte nicht zu viel den Vorstellungen des Mainstreams folgen. Gefühlt jedes zweite Taschenbuch, das ich in einer Buchhandlung in die Hand nehme, liest sich, als hätte es eine KI nach einer Industrienorm geschrieben. :sleep:
     
  15. AndreasE

    AndreasE Well-Known Member

    Ja, ich kenne auch Leute, die einen Kubikmeter Luft verschlucken und ganze Sätze herausrülpsen können. Aber das muss man dann anders schreiben, ausführlicher – ein "Hallo!", rülpste er reicht da trotzdem nicht, um das richtige Bild (inkl. Sound und evtl. Geruch) im Kopf des Lesers zu erzeugen.
     
  16. monaL

    monaL Active Member

    Keine Sorge! :LOL: Einige "fauchen", "krächzen" und "zischen" immer noch! (Sie posaunen bloß nicht mehr aus sich heraus :p )
     
  17. monaL

    monaL Active Member

    Aber, um mal wieder ein bisschen ernster zu werden: Eigentlich stören mich diese Inquits beim Lesen noch am wenigsten.
    Mir machen eher die inhaltlichen Ungereimtheiten in manchen Büchern zu schaffen. Dinge sind unlogisch, es bleiben lose Enden übrig zum Schluss, manches ist schlicht unmöglich... Das Schönste in dieser Beziehung habe ich letztens bei einer "Lesetour" durch ca. 35 Fantasie-Leseproben gefunden. (Weiß nicht mehr den Titel) Das ging etwa so: 'Der Vollmond stand funkelnd über der Stadtmauer, wie er schon so lange nicht mehr gesehen worden war.' Ja. Genau. Nämlich genau einen Monat lang nicht.
     
  18. NinaW

    NinaW Well-Known Member

    Außer der Himmel ist in der Gegend überwiegend häufig bedeckt und der Mond gewöhnlich hinter den Wolken verborgen.
     
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  19. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Wie gesagt - "Pfiff" ist das Eine. Stolpersteine das Andere. Glaube ich, dass meine Leser das sowieso hinnehmen, dann schreibe ich "das" (was auch immer "das" ist).
    Eine Uniformität passiert bestimmt nicht dadurch, dass Text nicht mehr gekotzt oder gelacht wird. Aber man vergrätzt recht wahrscheinlich - und darum geht's - ein paar Prozent Leser NICHT, die einem sonst schlechte Rezensionen reindrücken.

    Die Stilanalyse ist aber immer nur ein ANGEBOT. Was man davon für sich nimmt, bleibt dahingestellt.
     
  20. Fitzliputzli

    Fitzliputzli Active Member

    Na ja, ich finde, dass das Wort "Mainstream" eher auf die unzähligen Texte passt, die mit überfrachteten, unnötig aufgeblähten Inquits daherkommen. So schreibt die Masse. Von diesen Texten gibt es viel mehr, als man im Buchladen findet. Die meisten stehen nämlich nicht dort. Sie liegen in den Mülleimern der Lektoren.