Kriminalpolizei

Dieses Thema im Forum "Recherche-Experten" wurde erstellt von Max, 29. März 2019.

  1. Max

    Max Well-Known Member

    Wer kann mir mit Informationen zur Arbeit der Kriminalpolizei helfen?
    In meinem Roman versuchen drei Männer zwei halbwüchsige Mädchen zu entführen und in ein Auto zu zerren. Mein Held geht dazwischen, schlägt zuerst und kann damit die Mädchen retten, wird aber in der Folge von den drei Entführern krankenhausreif geschlagen. Im Krankenhaus ist er nach einigen Tagen Behandlung wieder in Ordnung. Nun müsste bestimmt die Kripo kommen, um ihn als Zeugen zu vernehmen.
    Richtig? Da ich keine Erfahrung mit der Kripo habe, die Frage: Wer kommt da? Wie sehen die Leute aus? Was haben sie an? Wie läuft so eine Befragung ab?
    Wäre schön, wenn mir jemand weiterhelfen könnte. Schließlich kann man nicht nur aus eigener Erfahrung schreiben...
     
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  2. ekretschmer

    ekretschmer New Member

    "Nach einigen Tagen"... Sobald der Kripo eine Straftat bekannt wurde, geht die Ermittlung los. Hier haben wir es mit mehreren Straftaten zu tun. Die Mädchen bzw. die Eltern werden, sobald sie Kenntnis hatten, warscheinlich eine Polizeiwache aufgesucht haben. Dort fanden sie zunächst die uniformierten Beamten vor. Die meisten Polizei-Standorte haben gleich ein KriPo Kommissariat dabei. Dort sitzen Leute wie in anderen Büros auch. Jeans, Tshit, Sweatshirt. Ggf. auch mal ein Anzugträger...

    Der Helfer im Krankenhaus wurde ja warscheinlich zusammengeschlagen irgendwo aufgefunden. Unwarscheinlich, dass die Polizei nicht schon zu diesem Zeitpunkt involviert war. Entweder verständigt durch den Anrufer der 110 bzw. die Leitstelle, spätestens aber nach Eintreffen und Erstversorgung durch die Rettungssanitäter. Da hier kein Zweifel über das Vorliegen einer/mehrere Straftaten bestand, wurde die Polizei informiert. In dem von Dir beschriebenen Fall würde diese nicht warten, bis das Opfer "wieder hergestellt" war, sondern ihn im Krankenhaus besuchen und nach Absprache mit dem dortigen Personal möglichst frühzeitig bereits befragen. Parallel wurde der Fundort/Tatort natürlich nicht ignoriert. Das Ziel ist ja, die Täter zu finden, und je nach Verletzung ist ein Opfer ja sofort oder nach einigen Stunden bereits vernehmungsfähig. In soweit ist "krankenhausreif" ein dehnbarer Begriff.

    KriPo Leute haben an, was andere auch anhaben. Das sind Büromitarbeiter mit Aussendienstterminen, die in Privatkleidung arbeiten dürfen, und das tun die auch...
    Was sie auf jeden Fall tun werden, ist, sich vorstellen/ausweisen. Und das i.d.Regel nicht mit einem Sheriffstern an Kettchen wie in manchen Krimis, sondern mit einem Dienstausweis mit Foto (so sieht der in Hessen aus https://www.polizei.hessen.de/ueber-uns/dienstausweis/)

    Du kannst Dir eigentlich jeden aus Deinem Bekanntenkreis als Kripo-Beamten vorstellen und als Vorbild nehmen für Deine Geschichte, wenns nicht gerade ein Rollatorfahrer, ein absoluter Hippie oder BTM-Fall ist natürlich... ,-)
     
  3. Max

    Max Well-Known Member

    Vielen Dank. Das hilft mir bereits ein Stück weiter. Da habe ich also alle Freiheit, mir die Kripo-Beamten zu gestalten. Das ist gut.
     
  4. ekretschmer

    ekretschmer New Member

    Ja, sei "frei". Das, was wir in Krimis sehe, dass so ein Team von gefühlt 5 Leuten pro Stadtteil alles macht, von der Seelsorge über das Tätscheln von Stadtteiloriginalen, Erziehung von Jugendlichen, Verkehrsregelung bis zur Mordermittung usw... ist nicht Realität .-)

    Als bei mir in Hamburg in Laden eingebrochen wurde kam erst eine Streife. Die hat kurz begutachtet und eine Anzeige aufgenommen.
    Dann kam eine nette Dame Typ Apothekenhelferin 10 Jahre vor Verrentung in ganz normaler Privatkleidung mit einem Köfferchen und hat Fingerabdrücke von Türrahmen/Klinken etc. genommen.

    Später wurde ich auf das Kommissariat geladen, um mir Bilder anzusehen von Leuten, ob die schon mal in den Tagen vorher im Laden gewesen sein könnten. Im Büro war eine, überspitzt gesagt, "Barbie", wohl Azubi, und ein Typ, den ich eher als Gemeinschaftskundelehrer am Gymnasium gesucht hätte, der mit mir am Computer dann die Bilder durchklickte...
     
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  5. Jan

    Jan New Member

    Bei mir im Haus wurde in einer Wohnung einen Stock drüber mal eingebrochen. Ca. 1 Woche später kamen Kripobeamte und befragten alle Bewohner. Sie waren normal gekleidet, eher sogar lässig. Direkt nach dem ich die Tür geöffnet hatte, stellten er sich als Kripo vor und zeigte seinen Ausweis so schnell, dass ich kaum Gelegenheit hatte, ihn zu sehen. Einer befragte mich, der andere den Nachbarn an der Tür gegenüber.

    Was mit gefallen hat: Neben der Befragung erklärten sie mir, wie leicht man eine Tür öffnen kann, die nicht verschlossen, sondern nur zu ist. Ich hatte mich nämlich gewundert, wie der Einbrecher Hoftor, Haustür und Wohnungstür so leicht überwinden konnte. Seitdem schließe ich auch von innen ab und auch, wenn ich nur mal 5 Minuten weg bin.
     
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  6. Max

    Max Well-Known Member

    Viele Dank, Jan. Du bestätigst das auch noch einmal. Jetzt bin ich am Überlegen, wie ich da zwei Beamte als Nebenfiguren einführen kann. Sie sollten, außer ihrem Job nachzugehen, noch eine Funktion in der Geschichte haben. Da muss ich mal ein bisschen nachdenken.
     
  7. JensB

    JensB Member

    Hallo Max,
    ich bin seit zwanzig Jahren bei der Kripo in Frankfurt. Viele Jahre war ich bei einer operativen Straßeneinheit. Dort gab es Kollegen die bis zum Hals Tätowiert waren und ihre Haare als Zopf trugen. Die sahen eher aus wie Rocker. Bei einem Kommissariat das sich mit Wirtschaftskriminalität beschäftigt tragen die Kollegen Anzüge. Ansonsten gibt es keinen Dresscode. In einer Großstadt kann man Polizisten nicht an ihrer Kleidung erkennen. Die laufen rum wie alle anderen auch.
    Für das polizeiliche Gegenüber gibt es andere Erkennungsmerkmale die wichtiger sind. Insbesondere geht es darum wie sich Polizisten verhalten und bewegen.
    Nur im Sommer gibt es kleidungstechnisch oft eine Besonderheit. Viele tragen dann eine offenes Oberhemd über dem T-Shirt. Dadurch können sie die Waffe verbergen und gleichzeitig sicherstellen, das sie im Gefahrenfall schnell an die Pistole gelangen.
    Aber natürlich laufen auch andere Menschen im Sommer so herum. Also ist nicht jeder, der ein offenes Oberhemd trägt automatische ein Polizist.

    VG

    Jens
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2019
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  8. Max

    Max Well-Known Member

    Vielen Dank, Jens. Das ist sehr hilfreich. Vor allem die kleine Information zum offenen Oberhemd über dem T-Shirt ist gut. Damit werden die Figuren authentisch. Nichts ist schlimmer, als dass Details bei Figuren nicht stimmen und sich der Autor damit unglaubwürdig oder lächerlich macht.