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Dieses Thema im Forum "Papyrus Autoren-Club" wurde erstellt von Olli38, 3. Mai 2018.

  1. Ben Vart

    Ben Vart Guest

    Das ist aber nicht dein ernst!??
     
  2. NinaW

    NinaW Well-Known Member

    Ich bin nicht überzeugt, dass ein abgeschlossenes Germanistikstudium jemanden zu einem tollen Lektor(in) macht. Ich glaube auch nicht, dass ein Autor(in) automatisch ein toller Lektor(in) ist. Und ich glaube weiterhin nicht, dass Testleser(innen) ein Lektorat ersetzen ...
     
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  3. Theophilos

    Theophilos Well-Known Member

    Dass ein Germanistikstudium nicht automatisch eine Person zu einem Lektor bzw. Lektorin heranbildet, dem stimme ich voll und ganz zu. Auch ist kein Autor automatisch ein (guter) Lektor, da der Lektor vieles zu berücksichtigen hat, woran ein Autor zunächst nicht denkt. Und auch Testleser ersetzen kein Lektorat.
    Andererseits glaube ich, dass Lektoren, die verlagsseitig unterwegs sind, immer auch die Linie bzw. Grundausrichtung des Verlages im Hinterkopf haben und von daher sicher nicht selten versucht sind, sollten sie ein Manuskript a priori für geeignet halten, die Story der Ausrichtung des Verlages in gewisser Weise anzupassen.
    Allerdings traue ich jemandem, der im Laufe seines Lebens viele Artikel geschrieben hat und andere für diverse Herausgaben redigieren musste, schon eine gewisse Kompetenz zu, die Stringenz einer Story zu erkennen.
    Jedenfalls ging es mir in meinem Fall darum, daher reichte mir das Procedere, das ich für mich gewählt hatte.
     
  4. qahet

    qahet Active Member

    Jedes Buch geht anscheinend erst einmal über das Lektorat des Verlages und dann wird meist der Stil geändert und diverse Zitate gekürzt, um es "politisch konform" zu biegen (meine Erfahrung), so als traue man dem Autor nicht so recht über den Weg. Zumal auch schwierig, da der Lektor ja meist nicht dasselbe Fachgebiet beherrscht, wie es der Autor im Griff hat.
     
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  5. Viviatis

    Viviatis Active Member

    Ich denke, was das Lektorat angeht, ist es sehr schwierig zu entscheiden, welcher Typ Lektor und welche lektorielle Arbeitsleistung sich letztendlich positiv auf das Werk eines Autors auswirken.
    In jedem Falle ist es oft so, dass der Schreiberling nicht alle grammatikalischen und Rechtschreibfehler erkennt und somit das "Gegenlesen" einer fachlich geeigneten Person wohl fast immer erforderlich ist.

    Ein weiteres großes Gebiet dürfte die Prüfung auf Plausibilität sein, die ebenfalls eine fachliche Eignung des Lektors betreffend der Aussagen des Schreibers voraussetzt. Hier muss man aber schon zwischen textlicher und fachlicher Plausibilität unterscheiden und die zweitgenannte kann sehr schwierig sein, da es nur sehr wenige Universalgenies gibt.

    Die stilistische Korrektur geht da schon einen Schritt weiter in Richtung "Textmanipulation" und ist in meinen Augen immer eine Abwägungsfrage aus Sicht des Autors, sofern es sich nicht um Unmöglichkeiten im Stil handelt.

    Manch ein Text lebt eben auch vom eigenen Stil des Autors und wenn daran zu viel herumgedoktert wird, mag das zwar aus Sicht des Lektors oder des Auftraggebers ok sein, vielleicht findet auch der größte Teil der Leserschaft den Stil absoluten Mist, es stellt sich aber immer die Frage nach der verbleibenden Authentizität des vom Autor gewollten Schreibstils.

    Summa summarum habe ich selbst für mich entschieden, dass es "den Lektor" wohl nicht gibt und mir bekannte Menschen, mit entsprechenden Fähigkeiten, um ein Probelesen und Korrigieren gebeten.

    Aus meiner Sicht hat dieser Weg sogar den Vorteil, dass selbst die besten Freunde und Verwandten nicht bereit sind, einen langweiligen, unvergnüglichen oder grottenschlechten Roman nur mir zuliebe voll durchzulesen. Zugegeben, das hängt natürlich davon ab, ob man geeignete Menschen dafür kennt.

    Und außerdem behaupte ich mal ganz provokativ, dass ein gut geschriebener Text nicht unbedingt einen Profi benötigen sollte. Denn wenn der erst alle oben aufgeführten Kriterien bearbeiten muss, damit man das Werk der Welt zumuten kann, dann kann er es auch gleich selbst schreiben.
     
  6. Theophilos

    Theophilos Well-Known Member

    Genau das passiert gerne, da sich beim Autor, und ich denke bei jedem Autor, am Ende eine Betriebsblindheit einstellt, durch die selbst Fehler übersehen werden, die der Verfasser sonst immer wahrnimmt. Da hilft schon ein wohlgesinnter Freund, der sich auskennt und den langen Atem hat, das Werk durchzulesen.

    Was den Stil betrifft, habe ich die Erfahrung gemacht, machen müssen, dass meine Art des Schreibens so gut wie nicht lesbar war. Drauf gestoßen hatte mich eine sehr belesene Kollegin, die das Manuskript nach 50 Seiten wohlmeinend mit dem Hinweis "So geht das nicht" zurückgegeben hat. Fazit: Ich habe das Ganze umgeschrieben. Als Ergebnis hatte ich nach weiteren Korrekturen und Kürzungen einen lesbaren und spannenden Text zusammen.
    Das Wichtigste war für mich dabei, dass meine diversen Ideen und Redewendungen etc., sprich meine stilistischen Elemente, erhalten geblieben sind. Ich weiß nicht, ob mir das mit einem Lektor gelungen wäre.
     
  7. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Natürlich nicht zwingend - ein Medizinstudium macht auch noch keinen guten Arzt. Aber es hilft. Kommt halt auf die Spezialisierung im Studium an. Welche bessere akademische Qualifikation mag man denn haben?
     
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  8. Theophilos

    Theophilos Well-Known Member

    (y):)
     
  9. Raya Mann

    Raya Mann Active Member

    Liebe Schreibkolleginnen und Kollegen, ein Lektorat ist eine Bereicherung, das Wellnessprogramm gegen Schriftstellerkrankheiten. Eine Lektorin ist eine Dienstleisterin, die vom Lektorieren leben können muss. Natürlich sind wir beide, die neue Lektorin und ich, in der Anfangsphase vorsichtig im Umgang miteinander, damit eine entspannte Zusammenarbeit entstehen kann. Die Lektorin will möglichst schnell meine Wünsche kennenlernen, denn sie möchte meinen Anforderungen gerecht werden. Schließlich bezahle ich sie für ihre Arbeit. Nach meiner Erfahrung sind Lektorinnen gute Menschenkennerinnen, was Schriftstellern gegenüber ein spezielles Talent braucht. Sie wissen, dass jeder von uns seine eigenen Marotten hat und können sich dem anpassen. Beim ersten Mal macht man sowieso zuerst eine Arbeitsprobe ab, 50 Seiten oder so, um herauszufinden, ob man zusammenpasst. Die Risiken sind minimal. Gegen das Lektorat gibt es nur ein triftiges Argument, nämlich, dass du keines willst. Für Ambivalenz jedoch gibt es keinen angemessenen Grund, es ist ein Entweder-Oder.
    A propos Uniabschluss in Germanistik: Das halte ich für die wichtigste Voraussetzung für diesen Beruf!
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2018
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  10. Viviatis

    Viviatis Active Member

    Da gehe ich durchaus mit, wenn man als Schriftsteller den ganzen Tag erfolgreich und viel produzieren muss. Und wenn man jemanden gefunden hat, mit dem man vertrauensvoll und symbiotisch diese Art der Arbeitsteilung hinbekommt, dann ist das umso besser. Da die meisten hier aber wohl erst einmal dorthin kommen müssen, und genügend erwirtschaften müssen, damit eine solche LektorIn nicht verhungert, oder sie selbst finanziell ausbluten, weil sie alles für die Fertigstellung ihres Werkes hergeben würden, sage ich lediglich: Es geht am Anfang mit Sicherheit auch anders und ein Lektor garantiert nicht unbedingt Erfolg.

    Ich habe das Glück gehabt, dass eine nahe Verwandte selbst für einen lyrischen Dichter lektoriert und übersetzt. Das ist natürlich ein anderes Genre und an meinem Roman hatte sie zum Glück von Anfang an nicht viel auszusetzen. Danach habe ich die erste Rohfassung auf andere Bekannte losgelassen und nach ein paar Wochen relativ viel Zuspruch bekommen. Zum Schluss hat meine nette Nachbarin, die Deutschlehrerin ist, noch die letzten Rechtschreibfehler, die sie finden konnte, herausgesucht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2018
  11. AndreasE

    AndreasE Well-Known Member

    Jeder Lektor hat, genau wie jeder Autor, seine Stärken und Schwächen, und im Idealfall liegen die Stärken eines Lektors da, wo beim Autor die Schwächen liegen. Ich zum Beispiel schwächle gern bei der "Continuity" ("vorhin hatte er/sie aber noch blaue Augen/nur ein Hemd an/noch kein Messer bei sich, woher kommt das?/noch ein Messer bei sich, wo ist das jetzt?" usw.) und war sehr dankbar, dass eine der Lektorinnen bei meiner "Marsprojekt"-Reihe entdeckte, dass ich eine 8-tägige Woche eingebaut hatte … dagegen kriege ich Streit mit Lektoren, die sich auf meine Sprache konzentrieren oder gar ganze Passagen umschreiben.

    Generell sind mir Lektoren lieber, die selber nicht schreiben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Autoren dazu neigen, anderen ihre eigene Art des Schreibens beibringen zu wollen … :whistle:
     
  12. NinaW

    NinaW Well-Known Member

    Eine bessere gibt es sicher nicht.

    Jedoch macht mich ein Informatik-Studium auch nicht automatisch zum Programmierer und erst recht nicht zu einem guten. Und hierfür gibt es wohl auch keine bessere akademische Qualifikation. (Ich schreibe absichtlich akademische Qualifikation.)

    Das bedeutet im übrigen nicht, dass man meine Aussage umdrehen kann. Ich sage nicht, dass jemand mit einem Abschluss in Germanistik kein toller Lektor sein kann. Ganz im Gegenteil, ich bin mir sicher, dass ein Germanist ein toller Lektor sein kann, aber das hängt sehr stark von der Person ab. Das Germanistik-Studium ist eine Basis-Qualifikation, der Rest ist (sicherlich harte) Arbeit.
     
  13. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Klar. Dennoch grübeln wir hier ja aus Schriftsteller-Sicht, und wenn man da einen guten, entsprechend gebildeten Kritiker in der Familie hat - ganz wunderbar. Im Idealfall ersetzt so jemand tatsächlich einen "beruflichen" Lektor, wenn er die Fähigkeiten hat.
    Schlimm sind natürlich die "zum-Munde-reden" Verwandten - Lobhudeleien bringen gar nichts.
    So ist es, wie gerade wir nur zu gut wissen :censored:

    Kann man sich einen Lektor leisten und hat man nicht das seltene (!) Glück, ein für konstruktive Kritik (aus)gebildetes Familienmitglied zu haben, muss man schon verdammt gut sein, um ohne Lektor auszukommen. Papyrus Autor hilft dabei natürlich allerdings ;)
     
  14. Greifenklau

    Greifenklau Active Member

    Ich frage mich, wie gute Werke vor 2000 Jahren und früher überhaupt haben entstehen können? Hatten die Römer auch schon Lektoren? Ich emtsinne mich nur, dass sie Liktoren hatten.
     
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  15. qahet

    qahet Active Member

  16. Greifenklau

    Greifenklau Active Member

    Als die Römisch-Katholische Kirche entstand, gab es das Römische Reich nicht mehr. Somit nur ein halber Punkt - ;)
     
  17. qahet

    qahet Active Member

    Haha - ist wohl doch etwas zu warm. ;-)
     
  18. NinaW

    NinaW Well-Known Member

    Ist heute lesen und schreiben zu können nicht etwas verbreiteter als damals?
     
  19. Greifenklau

    Greifenklau Active Member

    Wäre schön - es es aber m.E. nicht. Zumindest nicht in den Hochkulturen des Altertums; Babylon, Persien, Sumer, Ägypten, Israel, Griechenland, Rom. Mittelalter in Europa,klammere ich mal aus - für den Orient gilt ebenfalls eine hohe Kultur.
     
  20. Greifenklau

    Greifenklau Active Member

    Schicke hiermit ein Bitburger oder Kölsch - wie es beliebt.(y)