Mord in einer Kirche

Dieses Thema im Forum "Recherche-Experten" wurde erstellt von Klaus Pfaffeneder, 27. April 2019.

  1. Klaus Pfaffeneder

    Klaus Pfaffeneder New Member

    Derzeit arbeite ich an einem Roman, bei dem ein Mord in einer Kirche geschieht. Habe gehört, dass das (katholische) Gotteshaus danach nach einem Ritus entsühnt werden muss. Hat jemand dazu Informationen?
     
  2. Abifiz

    Abifiz Active Member

    Nach einem Mord hat nach katholischer Lehre keine eigentliche Entweihung stattgefunden, welche eine neue Weihe durch den Bischof nötig machen würde, eine "reconsecratio" also, sondern eine Schändung ("pollutio"). Letztere bedingt lediglich die Abhaltung des Rituals einer Neuversöhnung ("reconciliatio") durch den Bischof.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. April 2019
  3. Klaus Pfaffeneder

    Klaus Pfaffeneder New Member

    Vielen Dank an Abifiz! Die Neuversöhnung durch den Bischof ist dann ja so etwas wie ein Bußgottesdienst, oder? Weißt du zufällig, wie der abläuft in so einem Fall?
     
  4. Abifiz

    Abifiz Active Member

    Meine Kenntnisse sind eher theoretischer Art aus der Beschäftigung mit religiösen Themen: Ich bin nämlich kein Christ, sondern ein Jude sogenannter "liberaler" Ausrichtung.

    Aber vom Thema her: Es wird nicht "Buße" erfordert. Und bei "Gottesdienst" müßte präzisiert werden, was Du damit eigentlich meinst. Es geht darum, daß der Sakralraum erneut "akzeptiert" wird, erneut als "geeigneter Ort der Gnade" angesehen wird. Stell Dir vor, ein Mitglied der Großfamilie ist auf Abwegen geraten, und wurde verbannt. Jetzt bereut er, und wird "in Gnade wiederaufgenommen".
    Nur: Ein Sakralraum hat sich eben nicht selber versündigt, kann nicht selber bereuen, und hat nichts in der Art einer "persönlichen Seele" zu bereuen! Im Ritual der Versöhnung geht es quasi darum, "die Schatten der Schändung an Ort und Stelle" realiter (quasi objektiv) zu vertreiben, "den Raum sich erneut anzueignen"...

    Eine gewisse Nähe zu einem eigentlich magischen Ritual ist also evident! (Ich kann Dir z.B. die Lektüre von Mircea Eliade dazu ans Herz legen.) Vieles in den festen religiösen Vollzügen (besonders beim Christentum und dort besonders bei den ursprünglicheren Formen, aber beileibe nicht nur dort!) weist tatsächlich Nähe zum geistigen Bereich des Magischen bis Para-Magischen. Man könnte also laienhaft festhalten, "der Bischof er-segnet neu den Raum", vertreibt "die Schatten der Beschmutzung", erklärt den Raum (sorry, kann mir nicht verkneifen... ;)) für nun doch glatt koscher...

    Die genaue Darstellung des erwähnten Rituals findest Du im "Pontifikale Romanum", dem Buch mit allen ähnlichen Liturgien um das "Segnen und Weihen" innerhalb der katholischen Kirche.

    PS
    Ich stelle gerade fest, daß diese obigen Beiträge Deine überhaupt erste Veröffentlichung im Papyrus-Forum aufzeichnen.
    Demnach: herzlichst willkommen im Forum, Klaus!
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. April 2019